Die Nebenpersonen, Peter Seeberg
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Peter Seeberg

Die Nebenpersonen

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Die Nebenpersonen spielen im November 1943 in einem Filmstudio vor den Toren Berlins. Eine Gruppe von Zwangsarbeitern lebt mitten im Krieg in einer Kulissenstadt, in der die Nazis Propaganda- und Durchhaltefilme drehen. Dass diese künstlich angelegte Welt voller Illusionen selbst dann nicht zu Schaden kommt, wenn halb Berlin im Bombenhagel zerstört wird,mutet geradezu absurd an. Abgesehen von einem dänischen Freiwilligen – dem Alter Ego des Autors – sind die Arbeiter zwangsrekrutierte Ausländer aus besetzten Gebieten.
Obwohl ihr Aufenthalt in Berlin nicht freiwillig erfolgt, scheint sie der Krieg, der um sie herum tobt, nicht zu betreffen. Selbst ein Bombenangriff hat eher den Charakter einer privaten Irritation und stört nicht mehr als das schlechte, eintönige Esse oder die Flöhe im Bett.
In einer Besprechung in der Zeitung
Information vom 14.11.1956 heißt es: «Der Inhalt der Romans besteht aus einigen, meist sehr kurzen Situationsbildern, die sozusagen nie kommentiert werden. Wieder eine beinahe ‘filmische’ Vorgehensweise […] Man spürt, daß der Autor sich gegenüber seinen Personen unbestechlich objektiv und feststellend verhaltenwollte.»
Die Nebenpersonen sind kein Kriegsbuch, sondern eine Schilderung von Menschen, die als Nebenpersonen in ihrer Welt leben – abseits von der
Wirklichkeit, ohnmächtig, übersehen und außerstand, sich sichtbar zu machen oder Beziehungen einzugehen. Den Menschentyp, den Peter Seeberg schildert, gab und gibt es zu allen Zeiten. Dies macht heute so aktuell wie kurz nach
dem 2. Weltkrieg.

Peter Seeberg (1925–1999) wuchs im deutsch-dänischen Grenzland auf. Nach dem Abitur 1943 ging er für ein halbes Jahr nach Berlin, um in den UFA-Filmstudios als Kulissenschieber zu arbeiten. Seine Hoffnung, dort in Kontakt mit der Wirklichkeit zu kommen, wurde jedoch enttäuscht.

Seeberg greift in seinen Texten immer wieder die Themen Existenz, Identität und Wirklichkeit auf. Von 1960 bis 1993 war Peter Seeberg Leiter des Stiftsmuseums von Viborg und nahm an Expeditionen und Ausgrabungen teil. Ab den 1970er Jahren schrieb Seeberg fast ausschließlich Novellen, in denen er das alltägliche Leben anhand kleiner, aber typischer Situationen sprachlich genau und hintergründig schildert. In seiner Heimat Dänemark ist er längst ein moderner Klassiker der Erzählkunst. Er wurde mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, u. a. 1983 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates für den Erzählband “In vierzehn Tagen”.
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