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Nino Haratischwili

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Daria & Zviadhat Zitat gemachtletztes Jahr
Überall im Kaukasus wurden Stimmen laut, die die Welt in zwei Lager spalteten, in das der Freunde und das der Feinde, und zu Feinden wurden alle, die nicht das Gleiche wollten und forderten, überall wollte man nun für sich und unter sich sein, lange genug waren die ungebetenen Gäste da gewesen, jetzt, da die Sowjetunion zu Staub zerfiel und das gigantische Russland blind und wirr durch die Dunkelheit tapste, wollte man den Zeitpunkt nutzen und die ungebetenen Gäste endlich verabschieden.
Daria & Zviadhat Zitat gemachtletztes Jahr
Nura war wieder einmal zu der Scheune geschlichen und wie eine streunende Katze um das Haus herumgelaufen, in der Hoffnung, aufgespürt, entdeckt zu werden. Und sie wurde entdeckt.
Daria & Zviadhat Zitat gemachtletztes Jahr
Sie verfügten im Gegenzug über ein endloses Supermarktangebot, konnten sich ganz legal Jeans kaufen, sogar Busreisen zu früher so unerreichbaren Orten machen wie Florenz oder San Sebastián, sie mussten nicht einmal unter den schlechten Vorstadthotelbetten leiden oder über die endlosen Stunden im Bus klagen, denn sie waren Schlimmeres gewohnt, weitaus Schlimmeres. Aber sie blieben auch auf diesen Reisen Fremde, schossen zu viele Fotos, führten ihre Unterhaltungen zu laut, waren eine Spur zu gut über sämtliche Baudenkmäler informiert (besser als der Reiseleiter selbst, dem die vielen heiklen Fragen bald auf die Nerven gingen).

Sie waren immer eine Spur entrückt, eine Spur zu vorauseilend oder einen Schritt zu spät, nie schafften sie es, in die Menge einzutauchen, so dass sie nicht mehr auffielen, nie.

Egal wie lange sie schon im Westen lebten, sie blieben stets die merkwürdig gekleideten Geschöpfe mit lustigen Akzenten. Und ihre weltfremden Lebenseinstellungen und Überzeugungen zerschellten eine nach der anderen an kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten, sie brachen auseinander wie Holzboote in einem biblischen Sturm, und doch weigerten sie sich, die auf der Oberfläche treibenden Reste loszulassen.

Und nach und nach fanden sie sich alle in irgendwelchen Hinterhöfen oder Wohnungen wieder, mit Freunden, die allesamt aus dem Osten kamen, bei starkem schwarzen Tee oder bei Mokka, von Wodka oder Cognac gefolgt, Marmeladen und Kompotte einkochend, mit einem aufgeschlagenen Lyrikband in einer sowjetischen Ausgabe von 1964 auf dem Tisch (manchmal waren es sogar Kinderbücher oder Fabeln von Puschkin oder Tschukowski) und über die Welt und das Leben diskutierend. Und dann wurde ein Thema immer zentraler, und immer deutlicher zeichnete es sich als das Leitmotiv solcher Abende ab, ein Thema, das man in einem Wort zusammenfassen konnte: Vergangenheit.
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