Victor Auburtin

Pfauenfedern

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Ein Kater durchschwimmt den Atlantischen Ozean; Dr. Prohasca, Chefredakteur der 'Babylonischen Volksstimme', unterbreitet Großkönig Xerxes revolutionäre Pläne; ein Schwanz wird abgebissen; Kapitän Buller vom Kanonenboot 'Arrogant' nimmt für England das Paradies in Besitz: Im Parallel-Universum dieses Buches geschieht das Unfassbare – kein Ort ist zu abgeschieden, keine Zeit zu entlegen, kein Gedanke zu gewagt, um nicht vom Autor gefasst oder herbeizitiert zu werden.

Unvergänglich in ihren Lehren über Macht und Liebe, Entfremdung, Eifersucht und Gier enthält diese 1921 erstmals veröffentlichte Sammlung Auburtinscher Feuilletons viel von den Schicksalen damaliger Zeit: So wird – pars pro toto – ein Kriegsheimkehrer namens Odysseus zum Fremdling und Störfaktor für all‘ jene, die zu Hause den Alltag zu bewältigen hatten. Andere dagegen sind glücklicher dran: Als lebte er in einer Gegenwelt, darf sich ein Wissenschaftler in diesen unruhigen Zeitläuften seinen Studien über das Vorkommen des lateinischen Wortes 'quamquam' widmen. Und schließlich: Für manche hat die Zeit schlichtweg keine Verwendung. So wird der Tischlermeister Haberlandt, mit dessen Werkstatt es in der Ära industrieller Möbelproduktion rapide bergab ging, von gutgenährten Pfaffen aber auch Parteifunktionären mit Sprüchen über das Jenseits und den Zukunftsstaat abgespeist, das macht nicht satt und tröstet kaum.

Nicht immer sind diese zumeist im 'Berliner Tageblatt' vorab publizierten Feuilletons, in denen Auburtin erstmals seine ureigenste Diktion entwickelte, so zeitbezogen und bitterböse wie die letztgenannten. Manchmal schillern und prunken sie auch nur wie 'Pfauenfedern'. Oder kommen auf Taubenfüßen daher, kinderleicht, schalkhaft und heiter, mit liebenswürdiger Ironie: So, wenn in einer der besten Geschichten des Buches, ein Wiener Stammtisch von Theaterkritikern über die Ortstreue von Tieren räsonniert. Wollte man Victor Auburtin ein Denkmal setzten, dann sollte es katzenförmig sein: Schon aufgrund dieser aberwitzigen Erzählung mit dem heimatverbundenen dreibeinigen Kater Cleveland – einem der smartesten Tiere, das die deutsche Literatur dank Victor Auburtin kennt.
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