Leni Behrendt Classic 35 – Liebesroman, Leni Behrendt
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Leni Behrendt

Leni Behrendt Classic 35 – Liebesroman

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Leni Behrendt nimmt längst den Rang eines Klassikers der Gegenwart ein. Mit großem Einfühlungsvermögen charakterisiert sie Land und Leute. Über allem steht die Liebe. Leni Behrendt entwickelt Frauenschicksale, wie sie eindrucksvoller nicht gestaltet werden können.

Die gepolsterte Tür, die zum Arbeitszimmer des Chefs führte, öffnete sich geräuschlos, und der Gestrenge wurde sichtbar. Er wollte das Gemach durchschreiten, verharrte dann jedoch vor dem reizvollen Bild, das sich seinen Augen bot. Da saß seine Privatsekretärin, völlig in ihre Arbeit vertieft. Die lachende Frühlingssonne gleißte in ihrem Haar, das funkelnd wie Altgold den schmalen Kopf in dicken Locken umbauschte. Tief war dieser entzückende Kopf über ein Stenogramm gebeugt. In dem Gesichtchen, zart und fein, stand ein Ausdruck von Ungeduld. Jetzt hoben sich die Augen, große grünblaue Sterne, wie sie wohl die Nixen haben mochten, die ihre Opfer damit betören und sie hinunter ins Verderben ziehen. Träumend schauten sie sekundenlang in die strahlende Sonne hinaus, bis sie dann wieder zu den Schreibmaschinentasten zurückkehrten. Die Finger hieben sie flink hinunter. Der Smaragd an ihrer Linken funkelte und sprühte bei diesem Auf und Ab. Das Näschen krauste sich, und dem roten Mund entglitt das Zünglein, fuhr blitzschnell über die Lippen im rhythmischen Takt. “Re — ha — bi — li — ta — ti — on”, buchstabierte das Mädchen eifrig in die Maschine hinein. «Re — ha — bi — li — ta — ti — on, endlich hab ich dich nun schon. Was für ganz verrückte Worte es doch gibt.” Die bauschigen Ärmel der weißen Seidenbluse wehten bei der schnellen Armbewegung wie ein Segel hin und her, und der Saum des dunkelblauen Wollrocks wippte lustig auf und nieder. Die schlanken, seidenbestrümpften Beine waren lang unter den Schreibmaschinentisch gestreckt, die hohen Absätze der hellen Schuhe klappten fröhlich im Rhythmus. Ganz einfach war das Mädchen gekleidet, wie es sich für den Dienst gehörte — und doch wirkte alles an ihm ausgesucht und elegant. Der Mann, der das ganz heimlich, still und leise mit Ergötzen in sich aufnahm, wurde nachdenklich, wieso es wohl kommen mochte, daß seine Sekretärin hier noch arbeitete, während alle anderen Angestellten ihren Arbeitsplatz schon längst verlassen hatten, wie es an den Sonnabendnachmittagen üblich war. Sie allein nur machte Überstunden, wußte also die Arbeit, die er ihr aufbürdete, trotz ihrer Tüchtigkeit nicht zu bewältigen.
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2019
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